Finale furioso reichte nicht
Es war eine merkwürdige Partie, diese Begegnung zwischen den DEG METRO STARS und den Adler-Mannheim am Sonntag-Abend im Düsseldorfer ISS DOME. Zunächst hatte man lange das Gefühl, es würden überhaupt keine Tore fallen. Dann sprach einiges dafür, dass die DEG an diesem Wochenende ganz ohne Torerfolg bleiben sollte. Die ersten der 4741 Zuschauer hatten angesichts eines 0:5-Rückstandes schon das Stadion verlassen. Ein Fehler. Denn in einer packenden Schlussphase kämpfte sich die DEG bis auf einen Treffer heran, verfehlte den Ausgleich um Haaresbreite und zog letztlich mit 4:5 (0:0; 0:2; 4:3) den Kürzeren.

MacDonald will den Puck zu Tutschek spielen, doch der wird anschließend von King von den Beinen geholt - Alle Bilder: Christian Roth - www.american-sports.info
Zum zweiten Spiel des Wochenendes war Marian Bazany nach überstandener Magen-Darm-Grippe zurück ins Team gekehrt. Dafür musste dieses Mal Rob Collins seinem grummelnden Magen Tribut zollen. Zudem fehlte nach wie vor Chris Harrington wegen seiner in Frankfurt erlittenen Gehirnerschütterung. DEG-Coach Harold Kreis war also gezwungen, seine Angriffsreihen umzubauen. Evan Kaufmann rückte zunächst als Center zwischen Patrick Reimer und Daniel Kreutzer; Brad Tutschek wiederum füllte Kaufmanns frei werdenden Platz in der Formation mit Craig MacDonald und Shane Joseph auf. Während des turbulenten Spielverlaufs wurden die Reihen dann aber immer wieder gewechselt.

Brandon Reid verzieht knapp.
Wie eingangs erwähnt, hatte es lange Zeit den Anschein, als sollten überhaupt keine Tore fallen. Der an Höhepunkten nicht gerade reiche erste Spielabschnitt sah eine immerhin engagierte Düsseldorfer Mannschaft, die ihre wenigen Torchancen aber nicht zu nutzen vermochte. Kreutzers Rückhandheber aus dem Slot nach Zuspiel von Korbinian Holzer entschärfte Adler-Keeper Fred Brathwaite (2.) Auch Brandon Reid scheiterte, als er sich durch das Angriffsdrittel tankte und versuchte, den Puck hoch im Tor unterzubringen. Jason Hollands folgenden Schlagschuss konnte Brathwaite ebenfalls abzuwehren (14.). Auf der Gegenseite zeichnete sich Jean-Sébastien Aubin zwei Mal binnen Sekunden gegen Markus Kink aus (13.).
Im zweiten Drittel wurde es zunächst nicht viel besser. Nun waren es die Gäste aus der Quadratestadt, die das optische Übergewicht für sich beanspruchen konnten. Verteidiger Mario Scalzo knallte die Scheibe in Überzahl an den von ihn aus gesehen linken Pfosten (21.). Doch auch die DEG hatte weiterhin ihre Chancen. Mark Murphy stand nach einem 3-gegen-2-Konter frei im Slot (27.), konnte aber ebenso wenig erfolgreich abschließen wie Evan Kaufmann nach einem Fehlpass der Adler in deren eigenem Drittel (28.). Adam Courchaine verpasste nach einem Caldwell-Schuss von der linken Bande das leere Tor, weil die Scheibe unglücklich aufsprang und so nur schwer zu nehmen war (32.). Im direkten Gegenzug verzog Ahren Spylo freistehend vor Aubin. Eine Überzahlsituation bescherte den Gästen den ersten Treffer. Obwohl sich die Adler lange im DEG-Drittel hatten festsetzen können, mutete das Powerplay nicht allzu gefährlich an. Doch dann hatte Justin Papineau einen Geistesblitz, legte die Scheibe am Torraum stehend mit der Rückhand zur Seite ab, Aubin war aus der Position und Scott King brauchte nur noch einzuschieben (38.). Ärgerlich, dass die METRO STARS noch vor der zweiten Sirene den zweiten Gegentreffer kassierten. Einen kuriosen obendrein. Kink war über die rechte Seite über die blaue Linie gefahren und hatte in die Mitte gepasst. Von der Wade Ryan Caldwells sprang der Puck am verdutzten und machtlosen Aubin in die Maschen (39.).

Heute musste Aubin fünf Gegentore schlucken. Hier begräbt er die Scheibe gewohnt sicher.
Noch ärgerlicher, dass die DEG die Adlern mal mit mehr mal mit weniger Gegenwehr zu Beginn der letzten 20 Minuten zu weiteren Treffern kommen ließ: Ronny Arendt bediente aus der Hintertorposition den freistehenden Colin Forbes – 0:3 (43.). Aus dem Gewühl heraus traf Arendt zum 0:4 (46.) und beim fünften Gegentreffer und dem Sololauf von Papineau fungierte Patrick Traverse lediglich als Slalomstange (47.).
Was dann passierte, gibt es in dieser Form wohl wirklich nur im Eishockey und macht diesen Sport so großartig. Während die ersten Besucher frustriert die Spielstätte verließen, rafften sich die DEG METRO STARS auf. „Das einzig Positive für mich an diesem Spiel ist, dass wir uns mit dem 0:5-Rückstand nicht abgefunden haben“, beschrieb Harold Kreis später das, was folgte.

Wieder Hoffnung: Reimer trifft zum 3:5.
Adam Courchaine brach mit einem Schuss aus spitzem Winkel über die Fanghand von Brathwaite in doppelter Überzahl den Torfluch. Sechs Drittel und weitere 9:57 des letzten Drittels aus der heutigen Partie waren die Düsseldorfer ohne Torerfolg gewesen. Man spürte, wie die DEG nun endlich den Hebel gelöst hatte und genau die Dinge richtig machte, die vorher falsch liefen. Sport ist eben doch sehr häufig eine Frage des Kopfes. Im verbleibenden Powerplay und bei einer weiteren angezeigten Strafe drückte Patrick Reimer die Scheibe 16 Sekunden später zum 2:5 über die Linie. Nun ging es Schlag auf Schlag. Kreutzer trug das Spielgerät zentral ins Drittel, Reimer übernahm und setzt den nächsten Streich hoch ins Gehäuse der Adler (53.). Danach ebbte der Schwung ein wenig ab, wenngleich sich die DEG weiter anschickte, auch noch die verbleibenden zwei Tore Rückstand aufzuholen. Das Publikum tobte und feuerte die Mannschaft nun bedingungslos an. Und tatsächlich markierte Shane Joseph 84 Sekunden vor dem Ende das 4:5. Wieder hatte sich die DEG festgebissen und den Puck regelrecht ins Tor gekämpft. Schiedsrichter Piechaczek vergewisserte sich per Videostudium kurz von der Korrektheit des Tores, gab den Treffer dann aber. In den Schlusssekunden setzte Kreis nach einer Auszeit alles auf eine Karte, nahm Aubin aus dem Tor. Ein Schuss von Reimer bildete den Schlusspunkt. Er strich Zentimeter am linken Pfosten vorbei...

Noch mehr Hoffnung nach Josephs 4:5 - leider das letzte Tor des Abends.
„In den ersten 45 Minuten haben wir viel richtig gemacht“, befand Gästetrainer Teal Fowler nach dem Spiel. In den letzten 15 Minuten habe seine Mannschaft das Spiel dann sehr interessant gemacht und zu kompliziert gespielt. Harold Kreis beklagte, dass die DEG die Adler zu leicht zu Toren habe kommen lassen. Im Moment steckten seine Schützlinge in einem kleinen Tief. „Ich bin froh über die längere Pause in dieser Woche.“
Weiter geht es nämlich erst am Karnevalsfreitag. Dann treffen die METRO STARS im ISS DOME auf die Augsburg Panther. Das letzte Spiel vor der Olympia-Pause steigt am Dienstag in einer Woche im Frankenland bei den Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg. In der Tabelle liegen die Düsseldorfer weiterhin auf dem zweiten Tabellenplatz. Die Grizzly Adams Wolfsburg haben sich jedoch bis auf einen Punkt herangespielt und auch die Hannover Scorpions können in ihren drei verbleibenden Nachholspielen noch aufschließen.
(JA)




